Qualitätsmanagement im Rettungsdienst
EMS Field Observations – Strukturierte Einsatzbegleitung zur praxisnahen Qualitätsentwicklung
Das EMS Field Observation Programm: Das „Anti-Betriebsblindheits-System“
Im Rettungsdienst, auf der Leitstelle, in der Rettungsdienstschule, im Ehrenamt etc. machen wir viele Dinge „schon immer so“. Wir übersehen die kleinen Hürden, weil wir sie gewohnt sind. Genau hier setzt das EMS Field Observer System an. Es ist kein Kontrollwerkzeug, sondern eine Lupe für die täglichen Abläufe.
Ob im Hauptamt, im Ehrenamt oder in der Verwaltung, überall dort, wo Prozesse und Strukturen funktionieren müssen, hilft der Blick von außen.
Warum „Anti-Betriebsblindheit“?
Wer jeden Tag auf der gleichen Wache arbeitet oder im gleichen RTW sitzt, wird blind für kleine Reibungsverluste. Unser Programm schult Verantwortliche und Mitarbeitende darin, diese blinden Flecken aufzudecken – und zwar über alle Bereiche hinweg:
Die Weiterbildung bietet spezialisierte Ansätze für:
- Rettungsdienste
- Rettungsdienstschulen & Bildungseinrichtungen
- Leitstellen
- Feuerwehr (Berufs- & Freiwillige Feuerwehr)
- Bevölkerungsschutz & Ehrenamt
- Weitere BOS Einrichtungen
Jeder kann zum „Entdecker“ werden
Das Besondere: Da wir explizit keine fachlich-medizinische Prüfung bei den Beobachtungen durchführen, braucht man kein Notfallsanitäter sein für die Beobachtung. Ob Rettungssanitäter, Verwaltungskraft oder Auszubildende – gerade der „unbedarfte“ Blick von außen sieht die Dinge, die Profis längst als „normal“ akzeptiert haben.
Kaizen in der Praxis: 1% besser an jedem Tag
Hinter dem System steht der Kaizen-Gedanke. Wir suchen nicht den einen großen Fehler, sondern viele kleine 1%-Verbesserungen.
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Kein Fingerzeig: Wir fragen nicht „Wer hat den Fehler gemacht?“, sondern „Warum hindert uns das System daran, perfekt zu arbeiten?“.
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Echte Entlastung: Wenn wir durch eine Beobachtung nur drei unnötige Wege auf der Wache einsparen, bedeutet das am Ende des Jahres weniger Stress und mehr Fokus für das gesamte Team.
Termine (Präsenz online über Zoom):
- Kurs 1-2026: 29. und 30. Januar 2026 (Abgeschlossen)
- Kurs 2-2026: 04. und 05. März 2026 (Durchführungsgarantie)
- Kurs 3-2026: 23. und 24. Juni 2026
- Kurs 4-2026: 07. und 08. September 2026
Kosten
- 345,00 € pro Person
- Prof. Dr. rer. pol. Daniel Heine
Download PDF: Übersicht Field Observations
Netzwerktag 2026
Datum: 15. September 2026
Preis: 14,95 € (Schutzgebühr)
Zertifikatslehrgang: EMS Field Observer – Prozessbeobachtung im Rettungsdienst
Strukturen erkennen. Prozesse verstehen. Potenziale sichtbar machen.
Ein wesentlicher Ansatz des Qualitätsmanagement im Rettungsdienst stellt Kaizen dar. Im Kaizen-Ansatz steht die kontinuierliche Verbesserung im Mittelpunkt – Schritt für Schritt, direkt am Ort des Geschehens. Statt großer Veränderungsprojekte geht es um präzise Beobachtungen im Arbeitsalltag, um Potenziale zu identifizieren und praxisnahe Weiterentwicklungen anzustoßen. Genau dieser Gedanke bildet die Grundlage der EMS Field Observations: Wer Abläufe verbessern will, muss sie zuerst im Detail verstehen.
Das Konzept der strukturierten Einsatzbeobachtung orientiert sich am international bewährten Ansatz der Field Supervisor. In vielen Rettungsdienstsystemen – etwa in den USA oder in Wien – haben sich Field Supervisor als feste Instanz im operativen Qualitätsmanagement etabliert. Sie beobachten Einsätze, analysieren Schnittstellen und unterstützen die systematische Weiterentwicklung von Organisation und Kommunikation.
In Deutschland befindet sich dieses Modell noch im Aufbau. Unterschiedliche Rahmenbedingungen und Organisationsformen machen eine direkte Übertragung schwierig. Genau hier setzt unsere Weiterbildung an:
Die zweitägige Weiterbildung zum/r „EMS Field Observator“ greift die Stärken des internationalen Field Supervisor-Konzepts auf, passt sie jedoch gezielt an die Strukturen und Bedürfnisse des deutschen Rettungsdienstes an. Die Teilnehmenden erwerben fundierte Kompetenzen, um Abläufe strukturiert zu beobachten, Verbesserungspotenziale zu erkennen und konkrete Empfehlungen zur Weiterentwicklung zu formulieren – auf Augenhöhe, anonym und lösungsorientiert.
Inhalte
Einführung in den Kaizen-Ansatz im Rettungsdienst
Grundlagen der EMS Field Observation und Abgrenzung zu Evaluation oder Controlling
Beobachtungsschwerpunkte:
Übergaben, Lagerhaltung, Organisation & Kommunikation
Einsatzabläufe von Alarmierung bis Übergabe (keine fachliche Beurteilung des Teams!)
Schnittstellenanalyse zu Kliniken, Leitstellen, Hausarztpraxen und Pflegeeinrichtungen
Gesprächsführung auf Augenhöhe: vertrauensvoll und lösungsorientiert
Erstellung strukturierter Beobachtungsberichte
Ableitung konkreter Handlungsempfehlungen
Vorbereitung und Durchführung eines Abschlussgesprächs mit Verantwortlichen
Praxisteil: Durchführung eines Fallbeispiels (Case)
Im Anschluss an die zweitägige Weiterbildung übernehmen die Teilnehmenden eigenständig die Rolle des EMS Field Observer und bereiten eine konkrete Field Observation vor. Diese kann idealerweise im eigenen Rettungsdienst durchgeführt werden. Ist dies nicht möglich, erfolgt die Bearbeitung anhand eines realitätsnahen theoretischen Fallszenarios.
Die Beobachtung wird in einer 5- bis 10-seitigen schriftlichen Ausarbeitung dokumentiert. Diese umfasst:
die Vorbereitung und Zielsetzung,
die Beschreibung der Durchführung der Field Observation,
sowie die Analyse und konkrete Handlungsempfehlungen zur Verbesserung der Prozesse.
Die Teilnehmenden werden im Rahmen der Weiterbildung intensiv auf diese Praxisaufgabe vorbereitet und erhalten methodische Werkzeuge sowie ein strukturiertes Raster zur Durchführung.
Abschluss und Zertifikat
Nach Abgabe der vollständigen Fallausarbeitung erhalten die Teilnehmenden das Zertifikat als:
„Zertifizierter EMS Field Observer (RDI)“
Methodik
Die Weiterbildung kombiniert theoretische Grundlagen mit praxisnahen Anwendungsübungen, Fallarbeit und Reflexion. Die Teilnehmenden erhalten umfassendes Arbeitsmaterial sowie ein praxiserprobtes Beobachtungsraster zur direkten Umsetzung im beruflichen Kontext.
Dauer und Kosten
Präsenzteil (Online über Zoom): 2 Tage (jeweils 09:00 – 16:00 Uhr)
Fallbearbeitung im Anschluss: eigenständig mit Betreuung
Kosten: 345,00 € pro Person
Dozent
Prof. Dr. rer. pol. Daniel Heine
Experte für Führungskräfte- und Organisationsentwicklung sowie Personalmarketing im Rettungsdienst. Verfügt über 10 Jahre Praxiserfahrung im Rettungsdienst. Ehemaliger DRK-Kreisgeschäftsführer. Seit 17 Jahren Hochschuldozent rund um das Management im Gesundheitswesen.
Daniel berät Rettungsdienste in den Bereichen Organisationsentwicklung, Change Management und Personalmarketing. Zudem coacht und begleitet er Führungskräfte im Rettungsdienst, um sie in ihrer Rolle zu stärken und weiterzuentwickeln.
Autor der Fachbücher:
- Employer Branding und Personalmarketing im Rettungsdienst. Erfolgreich Mitarbeiter binden, gewinnen und motivieren.
- Leadership und Management im Rettungsdienst. Menschen führen, Strukturen schaffen, Zukunft gestalten
Kaizen im Rettungsdienst. Schritt für Schritt verbessern, Teams stärken, Zukunft gestalten
Beispiele Field Observations / Änderungen (Fallbearbeitungen von Teilnehmenden)
- Kommunikation und Schnittstellen
- Schnittstellenprobleme bei Polytraumata: Fehlende SOPs und unklare Entscheidungsverantwortung zwischen Rettungsdienst, Leitstelle und Klinik.
- Übergabeprozesse in der Notaufnahme: Beobachtung von Informationsverlusten und fehlender Standardisierung.
- Optimierung der Leitstellenkommunikation: Analyse von Rückfrageschleifen und Verfügbarkeit von Krankenhauskapazitäten.
- Informationsweitergabe im Rettungsdienst: Sicherstellung, dass relevante Informationen tatsächlich alle Beteiligten erreichen, nicht nur per E-Mail, die nicht jeder liest, sondern über funktionierende Informationskanäle oder standardisierte Kommunikationswege. Ziel Dopplungen und dadurch Mehraufwand und Fehlerquellen vermeiden, Informationsweitergabe sicherstellen.
- Optimierung der Leitstellenkommunikation & Arbeitsplatzorganisation: Analyse von Rückfrageschleifen und Verfügbarkeit von Krankenhauskapazitäten sowie die Beseitigung von Informationsbarrieren direkt am Einsatzleitplatz durch strukturierte Arbeitsplatzgestaltung (5S-Methode).
- Organisation
- Einführung neuer Fahrzeugtypen (NTW / NKTW): Prozessanalyse bei der Einführung, Akzeptanz der Mitarbeitenden, Kommunikationswege mit der Leitstelle.
- Ressourcenplanung bei kurzfristigen Personalausfällen: Prozessflussanalyse von Krankmeldungen bis Schichtübernahme.
- Qualität und Sicherheit
- Einführung von Checklisten für Atemwegssicherung und Narkoseeinleitung inklusive Shadow Board: Standardisierung kritischer Abläufe zur Reduktion von Fehlerquellen.
- Fehlerkultur und Kommunikation im Einsatz: Beobachtung von Teamverhalten, Human Factors und CRM in Zusammenarbeit mit Einsatzkräften anderer Einrichtungen / Rettungsdienste.
- Ausbildung und Lernen im System
- Mentoring- und Patenprogramme für Auszubildende: Analyse von Pre- und Onboarding neuer Mitarbeitender im Rettungsdienst.
- Field Observation in der Ausbildung: Prozessbeobachtung zur Verbesserung der Anleitungssituationen und Lernumgebung.
- Material, Ausstattung und Prozesse
- Analyse der Fahrzeugausstattung: Fehlende Materialien, überfrachtete Schubladen und Schränke, unklare Beschriftungen und fehlende Standardisierung – auch über verschiedene Rettungsmittel hinweg.
- Implementierung von Fahrzeugpatenschaften in Einsatzeinheiten: Fahrzeugpatenschaften im ehrenamtlichen Bereich, um Einsatzbereitschaft und Materialpflege langfristig durch klare Verantwortungen zu sichern.
- Optimierung der Lagerlogistik: Neuorganisation der Lagerräume nach Entnahmehäufigkeit. Materialien, die häufig gemeinsam verwendet werden – wie Infusionen, Zugänge und Infusionsbestecke – werden räumlich zusammengeführt, um Wegezeiten zu verkürzen, Prozessabläufe zu beschleunigen und die Übersichtlichkeit zu erhöhen.
